Liebe Karin!
Natürlich darfst Du meine Briefe gerne weiterleiten, ich hoffe nur, dass niemand sauer ist nachher, denn es sind doch meine persönlichen Eindrücke, die ich da weitergebe, jemand anders sieht die Dinge bestimmt ganz anders.

Gestern war, ob Du es glaubst oder nicht, wieder so ein Shambala-Tag, und das ging so: Perpetua musste in San Antonio arbeiten, dort kocht sie gelegentlich in der Herberge für Gruppen. Dafür hat sie einen ihrer Söhne zum Käse verkaufen auf den Mercadillo geschickt. Nach dem Markt haben wir ewig lange auf ihren Mann gewartet, um mit ihm nach hause zu fahren. Wir wollten schon mit der Guagua fahren, da kam er endlich mit dem alten Jeep. Er musste noch Benzin für seinen Generator holen, also erstmal ein Bier oder zwei auf der Tankstelle, danach wollten wir schnell noch ein bischen was einkaufen in der Bar in Las Tricias. Dort war gerade die Eröffnung von der neuen Plaza, 3! Alcaldes (Bürgermeister) kennen mich plötzlich mit Namen, haben mir die Hand geschüttelt und gefragt, wie es geht. Alfonso, unser Fahrer hat dann gemeint, die politischen Feste gefallen ihm nicht, und er weiss was Besseres. Also sind wir nach Cueva de Aqua an einen Platz mit traumhaft schöner Aussicht gefahren, ich habe nicht genau verstanden, warum, aber dort wurde uns aufgetischt, bis alle randvoll und natürlich auch besoffen waren. Es gab jede Menge Fleisch und den Wein wie üblich aus 2-Liter-Cola-Flaschen, dann haben alle gesungen. Kam jemand Neues hinzu oder hat sich jemand verabschiedet, hiess es Shambalala, damit war alles gesagt, es ist wie ein Passwort, um dazuzugehören, ich fühle mich da immer richtig geehrt, bin wohl die einzige Deutsche, die dazu gehört, und auch die einzige Frau. Allerdings habe ich Alfonso irgendwann daran erinnert, dass er ja noch seine Frau abholen muss, ohje, vorher musste er aber noch in den Barranco zu seinen Ziegen, den neuen Käse wenden. Also ging es weiter, immer mit dem Fass mit 2oo Litern Benzin und 3 Jungs hinten drauf. Es war mittlerweile schon dunkel, und Alfonso musste Licht in seiner Käserei machen, dabei sind die Schweine aufgewacht. Es gab einen Höllenspektakel, ein kleines Schwein wäre fast abgehauen, hat sich zwischen den Brettern verklemmt. Also Alban und ich waren um Mitternacht zuhause, Shambala ging dann unten im Hafen weiter, aber ich hatte genug für den Tag, heute ist schliesslich auch noch einer. Das sind die einzigen Momente, wo sogar ich mal Alkohol trinke und mich darauf einlasse, obwohl ich sonst eine ziemliche Abneigung gegen Betrunkene habe.
So eine Fiesta ist eindeutig was fürs Volk, alle hatten ihre Arbeitsklamotten an, Alfonso hat furchtbar nach Käse gestunken, irgendwie gerade zum Trotz gegen die feierlichen Politiker und die Show auf der Plaza in Las Tricias. Alban hat eine tolle Zeit hier, und das ist mir wichtig. Morgen überlegen wir uns was mit seinem Rückflug, jetzt ist erstmal Mercadillo, und danach sind wir auf den Roque zur Besichtigung des schwedischeen Teleskops eingeladen!
Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag!
Viele Grüsse! Antje