Liebe Karin!
Also am Mittwoch kamen die Opernsänger schon um 12.40 am Flughafen an, ab spätestens 15.00 Uhr sollte ihnen das Haus also fertig geputzt zur Verfügung stehen. Sybille und ihre 2 Jungs haben länger als geplant für ihren Auszug gebraucht, da sass ich schon auf Kohlen, als ich um 11,3o Uhr in die Küche kam, lag der 16-jährige noch im Bett, aber zum Abschied wollte ich natürlich nicht drängeln, und es gab, wie immer, noch soviel: “hast Du mal dies, wo sind meine Schuhe, kannst Du mir noch sagen, wo der und der Strand ist, usw. Das haben wir aber alles noch ganz gut hinbekommen, und Sybille meinte, sie hätte sich ganz gut hier erholt, und sie hätten eine gute Zeit gehabt. Da wusste ich, dass ich das Unmögliche auch noch schaffe, in 2 Stunden eine komplette Endreinigung hinzulegen. Den Andorraner, der ja sowieso kaum aus seinem Zimmer rauskommt, hatte ich schon Tage vorher gebeten, sich diese 2 Stunden aus der Küche fernzuhalten, er sagte, das sei überhaupt kein Problem, er ist immer sehr liebenswürdig, wenn man ihn anspricht, er hatte mir sogar angeboten, mir beim Putzen zu helfen!

Sybille war keine halbe Stunde weg, da kam er vom Einkaufen zurück mit Calamares. Ich sollte ihm doch bitte erklären, wie man die zubereitet. Ich muss wohl komisch geguckt haben, denn er meinte beim reinkommen: “schau mal, ich mache auch nichts schmutzig” und zeigte mir seine Füsse! Als ich dann sagte, dass ich keine Zeit hätte, fing er selber an zu hantieren und erzählte ohne Unterbrechung von Autounfällen, Wüstenabenteuern und “wie Calamares in Guatemala oder wo auch immer zubereitet werden”. Eine Weile haben wir dann nebeneinander rumgewurstelt, bis ich gemerkt habe, dass es so nicht geht. Ich bin dann raus und habe ihn gebeten, mir Bescheid zu sagen, wenn er fertig ist, da schrie er plötzlich hinter mir her, ob ich eigentlich wolle, dass er verhungert.

Ich bin nur ganz kurz zu “meinem” Drachenbaum gegangen, habe mich dagegengelehnt, und plötzlich kam mir das ganze Theater so unwichtig und kleinlich vor, da fing plötzlich der 2., kleinere Drachenbaum an, mit mir zu kommunizieren. Er steht zwar fast daneben, aber er ist völlig mit einer Schlingpflanze zugewachsen, man nimmt ihn neben seinem grossen Bruder kaum wahr. Er muss sich sehr anstrengen, seine Blätter sehen kaum noch das Licht, und er wächst viel langsamer, als der andere, aber es geht ihm gut, er scheint nichts dagegen zu haben, für die Schlingpflanze Stütze zu sein. Der Drachenbaum hat das geduldigste und gleichzeitig mächtigste Wesen, das ich kenne, vielleicht, weil er weibliche und männliche Energie im Gleichgewicht vereint, anders kann ich es nicht ausdrücken. Der Drachenbaum hat es z.B. nicht nötig, andere Pflanzen zu verdrängen, genausowenig lässt er sich verdrängen.
Joan hat sich dann tatsächlich mit seinem Essen sehr beeilt, das Putzen ging flott, und als ich gerade fast im Zeitplan fertig war, riefen die Opernsängern an, sie seien gut gelandet, würden aber erst abends kommen, sie wollten noch in Tazacorte an den Strand. Die Geschichte geht aber noch weiter, denn es hatte schon einen Sinn, dass ich mich so beeilt habe, denn eine Stunde später standen sie dann doch schon da.

Siehst Du, wie sich eines ins andere fügt? Hätte ich morgens schon gewusst, dass die erst abend kommen wollen, wäre bestimmt alles drunter und drüber gegangen, und das sind schliesslich immer meine wichtigsten Gäste. Joan kam dann mitten in der Nacht noch und hat mich um Aspirin gebeten, er hätte schon seit gestern fürchterliche Kopfschmerzen. Das war dann seine Art, sich zu entschuldigen, anders kann er es wohl nicht, und so ist es ja auch in Ordnung.
Viele Grüsse!
Antje