Liebe Karin!
Die Reise nach Teneriffa war schön, aber jetzt bin ich froh, wieder zuhause zu sein, und wie! Soviel Trubel bin ich nicht gewohnt und muss ich erstmal verarbeiten. Teneriffa ist zwar auch schön, aber voll, vor allem die vielen Autos würde ich auf die Dauer nicht erleben wollen. Die Linienbusse sind übrigens perfekt organisiert und viel billiger als in La Palma, allerdings musste ich ja meine ganze Werkstatt mitnehmen, das war schon Schlepperei. Alban ist gut angekommen, Pablo nach Bilbao geflogen, alles hat nach Plan geklappt, nur das Schiff hatte auf der Rückfahrt Verspätung, da das Meer recht wild war und es deshalb nur langsam fahren konnte.

Die Feria war routiniert und liebevoll organisiert, jeder Teilnehmer war wichtig, wir haben sogar ein Diplom bekommen, ein gutes Mittagessen ((Fisch natürlich), und den ganzen Tag Folklore-Live-Musik. Das hat dann allerdings auch igendwann gereicht, da haben die Freaks vom Trommelstand die Musik übernommen, das war dann auch gut. Jeder hatte eine kleine Bambushütte, 2 mal 2 Meter, einen Tisch, ein Regal, zwei kleine Schulbänke und zwei Stühle. Es war interessant, zu sehen, wie sich jeder damit eingerichtet hat. Das Angebot war vielseitig und interessant, ein paar ganz tolle Sachen waren auch dabei. Wir hatten es ganz gemütlich, aber ab 16 Uhr Sauna. Die teilnehmenden Kunsthandwerker waren alle sehr nett, ich habe ein paar neue Freunde gewonnen und Kontakte geknüpft, die für die Zukunft interessant sein können. Das ist immer eine ganz witzige Mischung aus alten Mütterchen (neben mir war eine besonders Liebe mit Besen aus Palmblättern) und Opas, die zum Teil noch nie die Insel verlassen haben, und weitgereisten Künstlern, auch die Hippies haben ihren Platz, Konkurrenzen habe ich keine gesehen, eher das Gegenteil. Die Stimmung war gut genug, dass es sich gelohnt hat, auch wenn der Verkauf eher flach war, so ähnlich haben das alle gesehen. Ich habe sogar einen Fernsehauftritt im deutschen Kanal 60 gehabt, den ich natürlich mal wieder selber nicht anschauen konnte, ausser mir war nur noch ein Deutscher mit Holzsachen aus Gomera vertreten.

Botho hat mich auf der Feria besucht, nachdem wir vorher telefoniert hatten, ansonsten bin ich anscheinend jetzt in Los Silos überall bekannt, ich wurde von so vielen gegrüsst, das war ein schönes Gefühl, fast wie zuhause. Alban hat mir diesen Brief gegeben, den Du allen Deinen Gästen mitgibst. Ich finde ihn sehr gut gemacht, bin mit allem einverstanden und ich würde Dir noch meinen Arzt empfehlen: Zufällig gibt es seit einem Jahr den besten deutschen Arzt auf der Insel, dem ich je begegnet bin, er weiss halt nicht nur über Schulmedizin Bescheid. Er ist mit Frau und 2 kleinen Kindern vor 2 Jahren hergekommen, sie bauen eine alte Finca aus und können Unterstützung also gut gebrauchen. Bleibt noch zu sagen, dass Alex mich vor ein paar Wochen behandelt und sogar operiert hat und als Bezahlung nur eine Drachenbaumkette als Ostergeschenk für seine Frau wollte.

Zum Schluss dieses Briefes wollte ich Dich noch fragen, ob Du eigentlich weisst, dass die Einheimischen den Hafen von ihrem geliebten Garafia Shambala nennen und sich dort unten auch so grüssen (vornehmlich nach einem guten Fischfang und reichlich Weinkonsum heisst es dann Shambalalala..) Ich war ziemlich verblüfft, vor allem, weil kein Mensch weiss, woher das kommt und niemand hier je in Tibet war oder auch nur eine Idee davon hat. Also wieder einmal einer dieser merkwürdigen Zufälle. Auch mit dem Foto von Dalai, dass ich auf der Feria in Garachico als Dekoration dabei hatte, habe ich wieder eine fast unglaubliche Geschichte erlebt.
Bis bald, viele liebe Grüsse! Antje